Anant Kumar schreibt:
 

Der 100-seitige Band enthält zarte, einfühlsame Gedichte und lyrische Prosa, die es gekonnt schaffen, das Besondere, das Schöne und das Melancholische im Allgemeinen zu sehen: meine katze hat die augen meiner großmutter./ das fenster, aus dem sie springt, ist eingang und ausgang zugleich./ falle ich auf den rücken, kann ich den himmel sehen./ falle ich auf mein gesicht, sehe ich den spiegel des himmels./ das haus ist ein immerwährender hort./ großmutter bäckt pfannkuchen sonntags./ wenn sie den holzspan aus dem gegangenen teig/ zieht, wird der himmel vor dem fenster klein, wie/ die augen meiner katze. (S. 8)   Mit diesem schönen Text am Anfang werden auch zwei Leitmotive angekündigt, nämlich die Familie und die Natur. Eine Anzahl der Texte (erwachen, das haus, waschtag, die schlafenden, namenlos, gutenachtlied, ...) drehen um das Zuhause und um die Heimat. Dabei weichen sie von den meisten um diese Themen kreisenden gängigen Texten ab, d. h. die Zeilen Peter Seglers wirken weder kitschig noch schwülstig. Statt dessen geht es hier um die zarte, poetische Reminiszenz des lyrischen Ichs, die mal Unersetzbarkeit und Unvergleichbarkeit der Mutter bestätigen: ... wir vier spielten/ hinter der hecke/ verstecken/ dann kam die mutter/ den schweren holztrog in/ die schmalen hüften gestemmt/ mit ihrem lächeln aus/ jasminwölkchen und malventraum/ verlieh sie uns küken/ flügel (S. 11). Und dann wird ein paar Seiten weiter ein idyllisches Moment mit dem Vater so gelungen aufgezeichnet, dass die Leserpsyche den Dieselgestank nicht wahrnehmen kann, sondern sie ist fokussiert auf den Schokolade schenkenden Akt (S. 15).
Dass sich der Autor mit dem Transzendenten auseinandersetzt, sticht auch jedem aufmerksamen Leser ins Auge, und es wird in der Exposition eines Textes an die zwei Verszeilen des größten deutschen Mystikers, Meister Eckharts, erinnert. Und dann in der zweiten Buchhälfte widmet der junge Mystiker den Text der stein (S. 82) Hermann Hesse. Die religiösen, mystischen Anschauungen des Suchenden kommen vorwiegend in den Naturgedichten zum Ausdruck. Für ihn ist die ganze Natur beseelt. Es ist hier mehr als das alte Prinzip der Dichtung, wo die Dinge vermenschlicht und die Menschen verdinglicht werden, z. B. das Gedichte tango: ich bin im fluß/ und der fluß ist/ in mir./ manchmal schaue/ ich aus dem fenster/ und sehe kein/ land./ lasse ich mich ganz/ treiben,/ kehrt das laub in/ die knospen zurück./ treibe ich mich/ zur eile/ ertrinkt der regen/ in mir./ selbst mein begehren/ hat seine zeit./ denn: eines tages/ bin ich im fluß/ und der fluß ist/ in mir (S. 83).
Der Lyrikband enthält poetisch plazierte Vergleiche wie worte schön wie mädchenzöpfe (S. 20) und ebenso schöne Metaphern.
Das Buch bietet wenig den Sensationssuchenden, sondern die Lektüre ist ein literarischer, erheiternder Genuss, der sehr oft zum Nachdenken anregt ...

Anant Kumar